Ich bin Streit. Wann kommt denn einer und bricht mich endlich vom Zaun?“ heißt es in der Einleitung der Thematik “Streitkultur”. Wir haben erfahren, dass sich viele Menschen gerne und oft streiten und somit der Streit keine lange Verweildauer auf dem Zaun haben wird. Gerade weil wir aber ständig mit Konflikten konfrontiert werden, ist die Frage, wie man mit ihm umgeht: destruktiv oder konstruktiv und dissens- oder konsensorientiert?

Die Schule

Die Schule bietet für derartig wichtige Lebens-Lernfelder den idealen Nährboden: einerseits ist sie – neben dem Elternhaus, Tagesmüttern oder Kindertagesstätten – eine der bedeutendsten gesellschaftlichen Sozialisationsinstitutionen, andererseits verfügt sie über ein erhebliches zeitliches Kontingent von mindestens zehn Jahren, in denen die Schüler nachhaltig Kenntnisse, Fähigkeiten und Verhaltensmuster erwerben können.

Es steht außer Frage, dass die Schule – als eine der wichtigsten Sozialisationsinstitutionen – nicht mehr länger nur auf den wissensvermittelnden Aspekt zu reduzieren ist, vielmehr nimmt sie einen immer bedeutsameren Platz im Leben vieler Kinder und Jugendlicher ein. Daher sollten am Lern- und Sozialisationsort Schule „…verstärkt sozialpädagogische Unterstützungsleistungen organisiert und integriert werden, damit möglichst allen Schüler/innen Wege einer erfolgreichen Bewältigung von schulischen, biografischen und sozialen Anforderungen aufgezeigt werden können“ ( Behn u. a. 2006, S. 111 f.).

Der Schulsozialarbeit sollte demnach innerhalb der Schule eine bedeutendere Rolle zufallen. „Damit ist auch gemeint, dass sozialpädagogische Fachkräfte bedingt durch ihre Profession und Qualifizierung mit dem Themenbereich vertrauter sind und zu dessen Bearbeitung auf andere Methoden zurückgreifen können als Lehrer/innen“ (Behn u. a. 2006, S. 113).

Das Elternhaus

Ebenso müssen aber auch die Elternhäuser kräftiger zulegen. Eine Gesellschaft, in der fast jede zweite Ehe geschieden wird, ist ein eindeutig schlechtes Vorbild für die Werte und Normen von Gemeinschaft, Streitkultur und Toleranz. Eltern müssen sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein und ihre Kinder nicht zu Zuschauer im eigenen Zirkus machen. Außerdem sollten sich Eltern vielmehr in den Schulalltag ihrer Kinder einmischen und versuchen, mit den Lehrern und Schulsozialarbeitern eine erleb- und erfahrbare Konfliktkultur aufzubauen.

Ist keine Schulsozialarbeiter vorhanden, lohnt es sich, dafür zu kämpfen! Dies ist nur durch einen konsensorientierten und konstruktiven Umgang in den verschiedensten Gremien möglich. Es ist ein z. T. recht steiniger Weg – aber er lohnt sich zu gehen! Er beinhaltet ein hohes pädagogisches Potenzial, sodass die Kinder und Jugendliche nicht zu Duckmäusern und Intriganten, sondern zu wirklichen Demokraten erzogen werden.

Die Medien

Ein erhebliches Problem stellen die Medien dar, egal ob Zeitungen, Fernsehen, Videos, Internet. Überall wird sich auf die Sensation, das Unglaubliche, das Einmalige, das Unfassbare, das Beklemmende, das Grausame und das Entsetzliche konzentriert und damit auf Negativ-Schlagzeile. Demgegenüber stehen die Superlativen Erfolg, Macht, Geld, Ruhm. Es wird suggeriert, jeder könnte ein Held sein, Anleitungen hierzu finden sich überall im Internet. Derweil halten Krieg, Terror und das Töten immer mehr Einzug in unsere Wohnzimmer. Engelchen und Teufelchen sitzen bei vielen Kindern bereits auf den Schultern und befeuern ihr Herrchen. Was ist “gut”, was “böse”? Wo finden unsere Kinder die Antworten auf die Fragen dieser Zeit? Wo werden Kinder noch als Kinder gesehen und wo können und sollten sich Kinder deshalb kindgerecht verhalten?

Letzter Gedanke

Hier schließt sich der Kreis. Kinder lernen in erster Linie durch ihre Eltern und die Erwachsenen in ihrer Umgebung. Diese sind es, die Kinder motivieren und unterstützen müssen und sie sind es, die Kindern – andererseits – auch Strukturen geben und Grenzen setzen. Je stärker die Eltern, umso stärker die Kinder. Stärke hat aber nichts mit Macht, einengen, befehligen und gehorsam zu tun, sondern in erster Linie mit Empathie und Teilnahme. Letztlich sollen sich Kinder nicht anpassen und die Kopie von jemanden werden, sondern sich frei entfalten können und kreativ sein.

Konflikte und Streitigkeiten sind unvermeidbar. Die Frage ist also nicht, wie man Energie verschwendet, um sie dennoch zu vermeiden, sondern wie ernsthaft und konstruktiv nach Lösungen gesucht wird. Hierbei spielen Empathie, Kreativität, die eigene psychische Stabilität und ein gesundes Selbstbewusstsein eine erhebliche Rolle. Wir als Gesellschaft haben die Aufgabe, Kindern ebendies zu ermöglichen, damit sie als gefestigte Persönlichkeiten kooperativ und teamfähig durch ihr späteres Leben gehen können und somit letztlich der Gemeinschaft dienlich sind.

Kinder sind das wertvollste, was wir haben. Sie sind keine junge Erwachsene, sondern müssen inspiriert, gefördert und geformt werden.